Kategorie: Jugendtraining

Der Denkprozess im Schach

Im diesem Artikel wird die Videoserie „Thought Process Errors“ des bekannten Schachcoach Dan Heisman zusammengefasst. Ziel ist es die Leser für das Thema zu sensibilisieren und eine erste Einführung zu geben. Einige Beispiele aus der Serie sind im der referenzierten PDF-Datei dokumentiert. Wer sich wirklich für das Thema interessiert, sollte aber unbedingt die Originalserie anschauen. Wirklich empfehlenswert!

Die Überlegungen richten sich an Vereinsspieler, die ein besseres Verständnis der Denkprozesse erreichen und ihre eigenen Fehler erkennen wollen. Dies kann für die Verbesserung ihres Spiels von grundlegender Bedeutung sein.

Einführung

Der Denkprozess ist unmittelbar mit dem Denken verbunden, aber es gibt einen Unterschied zwischen Denken im generellen und dem Denkprozess an sich. „Schachdenken“ kann gemäss Dan Heisman in drei verschiedene Aspekte aufgeteilt werden, die jeweils auch spezifische Fehler auftreten können.

  • Der Denkprozess – die prozessualen Schritte des Denk-Vorganges bis zur Entscheidung für einen Zug
  • Das Grundwissen – das aktive „Kennen“ von verschiedenen Standardmustern und -zügen in bekannten ähnlichen Schachstellungen. Dieses Wissen hängt stark mit der Erfahrung des Spielers zusammen.
  • Die Analyse oder das analytische Denken – die Analyse einer Stellung im Kopf, der inhaltliche Aspekt des Denkens.

Die Analyse geschieht in der Regel auf einer höheren Ebene und es liegt in der Natur der Sache, dass in komplexen analytischen Stellungen auch Analysefehler passieren. Eine Grauzone zwischen Analyse- und Prozess-Fehler sind sogenannte „Visualisierungsfehler“. Das sind Situationen, wenn eine Position im Kopf betrachtet wird, man diese aber nicht hundertprozentig klar vor sich sieht und gewisse Figuren allenfalls falsch positioniert und damit deren Wirkung nicht richtig einschätzt.

Dan hat mehr als 40 Jahre Erfahrung als Schachcoach und hat in dieser Zeit einen tiefen Einblick in die häufigsten prozessualen Denkfehler eines Amateur-Schachspieler gewonnen. Jedes seiner Videos zeigt einen Typ von Fehler und illustriert das mit mehreren Beispielen. Typische Fehler sind unter anderem der Variantenabbruch bevor eine taktische Stellung sich entspannt („Entspannungsfehler“), Visualisierungsprobleme, übertriebener Fokus auf nur einen Kandidatenzug, zu schnelles oder zu langsames Spielen, der „nur-weil-es-erzwungen-ist“-Fehler, der zu wenig beachtet was ein erzwungener Zug auch sonst noch an einer Stellung verändert, oberflächliches Prinzipienschach oder das Hoffnungsschach.

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Entspannungsfehler (engl. Quiescence Error)

Dieser Abschnitt behandelt Fehler, bei denen der Spieler seine Analyse zu früh beendet, wenn die Position noch nicht „zur Ruhe gekommen“ resp. „noch nicht entspannt“ ist. Die Variante sollte so weit berechnet werden bis keine forcierte Zugfolge mehr möglich ist. Alle Züge am Ende einer Berechnung, die noch Schach geben, Material schlagen oder eine Drohung aufstellen müssen beurteilt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass am Ende der berechneten Variante eine böse Überraschung auf den Spieler wartet.

Tipps:

  • stelle Dir folgende Fragen: „Ist die Endstellung Deiner Berechnung sicher / ruhig / entspannt“? oder „Kann der Gegner noch Schach geben, Material schlagen oder eine Drohung aufstellen? „.
  • Gegebenenfalls musst Du die Variante noch weiter zu rechnen versuchen.

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Nur-weil-es-erzwungen-ist-Fehler

Der Fehler, bei dem die nicht optimale Frage „Warum hat er diesen Zug gemacht?“ gestellt wird und die Antwort „Weil er gezwungen ist“ lässt den Spieler irrtümlich annehmen, dass dies der einzige Grund für den Zug des Gegners ist. Oft haben erzwungene Züge auch weitere, weniger offensichtliche oder gar versteckte Auswirkungen auf die Stellung, die dann gerne vergessen gehen.

Tipps:

  • Stelle die besserer Frage: „Was ALLES hat der letzte Zug meines Gegners an der Stellung verändert?“. Sind offene Linien/Diagonalen entstanden? Gibt es allenfalls neue Drohung (Abzüge, Batterien, Mattdrohungen …)
  • Stelle Dir nach Deinem Entschluss für Deinen nächsten Zug die Frage: „Ist mein Zug sicher?“, „Habe ich an alle Schachs, Schlagzüge und Drohungen gedacht?“

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Brauche Deine Bedenkzeit für den ausgeführten Zug

Dieser Abschnitt behandelt den Fehler, bei dem ein Spieler viel Bedenkzeit braucht, aber fast alle Berechnungszeit in andere Züge investiert, als in den, den er schlussendlich spielt. Dies geschieht insbesondere, wenn man nach längerem Berechnen keine abschliessende Meinung zu den angeschauten Varianten bilden kann und dann im „Quasi-Affekt“ einen ganz anderen Zug ausführt.

Oft vergisst ein Spieler dann den effektiv ausgeführten Zug nochmals zu überprüfen: „Was passiert wenn ich diesen Zug spiele, was sind die gefährlichen / forcierten Antworten des Gegners (Schach, Schlagzüge und Drohungen) und kann ich jeden von ihnen sicher abwehren?“.

Tipp:

  • Vergiss nie, dass die Berechnung von Zügen, die Du nicht ausführst zu verlorener Zeit und Kraft führt.
  • Versuche Züge rasch zu „falsifizieren“ und zu verwerfen.
  • Mach einen Abschlusscheck „Was passiert …“ vor dem Ausführen des Zuges.

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Es ist nicht so einfach wie A dann B dann C

Hier wird der Fehler behandelt, bei dem ein Spieler die Sequenz A (seinen Zug) B (Antwort des Gegners) und C (wie er auf die Antwort des Gegners im nächsten Zug reagieren könnte) berechnet und dann, nachdem er A gespielt hat und auf B gestossen ist, C sofort und ohne Kontrolle beim nächsten Zug spielt, oft mit negativen Folgen.

Tipps:

  • Kontrolliere auch wenn Du die Antwort bereits angedacht und berechnet hast nach jedem Zug, ob dies die beste Sequenz ist.

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Schaue in die Breite bevor in die Tiefe

Das ist der Fehler, bei dem sich ein Spieler auf einen Kandidatenzug oder eine Idee konzentriert und vergisst andere, möglicherweise besserer Ideen zu berücksichtigen. Dies ist vergleichbar mit dem Versuch zu beweisen, wie gut Ihr Zug ist, anstatt zu fragen, ob es bessere Züge gibt. Es basiert auf dem bekannten Prinzip von Cecil Purdy „Look wide before you look deep“.

Tipps:

  • Öffne den Blick und suche nach Kandidatenzügen und beurteile sie nacheinander und relativ zueinander.
  • Du musst „nur“ den aus Deiner Sicht besten Kandidatenzug in der Stellung finden. Du musst niemandem beweisen wie gut Dein ausgeführter Zug ist. Das braucht zu viel Zeit.
  • Vertiefe Deine Analyse für die noch nicht verworfenen Züge nur schrittweise und gehe vor allem nicht vom Anfang an in Deiner „Lieblingsvariante“ in die Tiefe.

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Zu schnelles Spielen

Bei diesem häufigen Fehler, spielt ein Spieler für die aktuelle Situation zu schnell. Die „Situation“ berücksichtigt die Stellung selbst, aber auch die Spielkadenz inkl. des vorhandenen Zeitinkrements.

Tipps:

  • Sei Dir bewusst wieviel Zeit Du durchschnittlich pro Zug haben darfst. Versuche die gesamte Bedenkzeit zu nutzen – genau wie bei einer Prüfung in der Schule.
  • Zwinge Dich Kandidatenzüge zu finden und nicht gleich die erste Idee zu spielen.
  • Binsenwahrheit: „Wenn Du einen guten Zug gefunden hast, prüfe ob es einen besseren gibt.“.
  • Lev Alburt hat gesagt, dass vor allem Gewinnzüge überlegt und langsam gespielt werden können, da man ja die Zeit hat diese mehrfach zu kontrollieren.

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Zu langsames Spielen

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit dem Fehler, dass ein Spieler für die „Situation“ zu langsam spielt und dadurch in unnötige Zeitnot gerät. Die „Situation“ berücksichtigt die Stellung selbst, aber auch die Spielkadenz inkl. des vorhandenen Zeitinkrements.

Tipps:

  • Sei Dir bewusst wieviel Zeit Du durchschnittlich pro Zug haben darfst.
  • Verwende Deine Zeit für kritische Züge in analytischen / komplexen taktischen Stellungen und nicht für kleine Entscheidungen.
  • Spiele forcierte Züge und „Buch-Züge“ nach einer kurzen Kontrolle schnell.
  • Ex-Weltmeister Michail Botwinnik hat einmal postuliert, dass man für die Eröffnung nur ca. 20% der gesamten Bedenkzeit verbrauchen sollte.
  • Fälle einen Entscheid: Langsames Spiel verhindert vielleicht schnelle Niederlagen, führt aber zu mehr langsamen und späten Verlusten.
  • Schaue während Dein Gegner spielt ab und zu auf die Uhr und schaue wo Du stehst.

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Die besten Züge des Gegners annehmen

Diese Episode behandelt den Fehler, bei dem ein Spieler nicht alle „vernünftigen“ Züge des Gegners betrachtet, um festzustellen, welche am besten und/oder gefährlichsten sind. Stattdessen nehmen sie Züge / Lieblingsvarianten des Gegners an, die sie entweder wollen oder nicht unbedingt die gefährlichsten sind.

Tipps:

  • Ein von Dir gewählter Zug muss bei allen Antworten des Gegners bestehen können / gut sein.
  • Schaue insbesondere auf alle forcieren Züge (Schachs, Schlagzüge, Drohungen). Hast Du da immer eine geeignete Antwort?

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Prinzipienschach (engl. Hand-Waving)

Das Thema ist ein Sonderfall des „Hoffnungsschach“-Fehlers, bei dem ein Spieler einen Zug in einer analytischen Position macht, indem er allgemeine Prinzipien anstelle einer sorgfältigen Analyse / Berechnung verwendet.

Tipps:

  • Allgemeine Prinzipien sind in analytischen Stellungen nur bedingt hilfreich. Du musst konkret rechnen. Das nimmt Dir niemand ab.
  • Wie immer in analytischen Stellungen. Schaue auf Schachs, Schlagzüge und Drohungen.

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Hoffnungschach

Dieser Abschnitt behandelt den häufigen Fehler, bei dem ein Spieler einen Zug macht, ohne alle gegnerischen Schach, Schlagzüge und Drohungen (alle erzwungenen Züge) zu berücksichtigen. Auf jeden dieser Züge muss er eine sichere Antwort haben.

Tipps:

  • Hoffnungsschach heisst „auf das Glück oder den Fehler des Gegners bauen“.
  • Auf alle kritischen / forcierten Züge des Gegners (Schach, Schlagen, Drohungen) musst Du eine Antwort bereit haben.

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Fehler in der Verzweigungslogik

Das letzte Thema beschäftigt sich mit der Situation, in der ein Spieler in seiner Analyse eine Position erreicht, in der er oder sein Gegner mehrere vernünftige Züge (z.B. mehrere Varianten beim Zurückschlagen einer Figur) hat. Zwei mögliche Fehler sind 1) nicht alle Möglichkeiten zu berücksichtigen und 2) nicht zu verstehen, wie sich die Analyse und Bewertung auf die eigene Zugauswahl auswirkt.

Tipps:

  • Auf alle kritischen / forcierten Züge des Gegners (Schach, Schlagen, Drohungen) musst Du eine Antwort bereit haben.
  • Sobald eine forcierte Variante als schlecht zu beurteilen ist, kann der ganze Variantenbaum verworfen werden.
  • Nur wenn alle forcierten Varianten vorteilhaft sind, kann die Variante / der Kandidatenzug gewählt werden.

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Aufgabe der Woche 35

Lösungen müssen bis am 31.8.2018 18:30 bei Felix oder Walter abgegeben werden. Und ja, wir wissen, dass die Aufgaben nicht einfach sind :-). Knobeln angesagt.

Jede richtige Lösung erhält einen Punkt in der Junioren Jahreswertung.

Aufgabe für Fortgeschrittene
(Stappen 4) 

Weiss am Zug setzt in 4 Zügen Matt
Zeige die exakte Zugfolge.

Aufgabe für Mittlere Gruppe
(Stappen 2 / 3) 

Weiss am Zug kann schnell gewinnen.
Zeige den ersten Zug und 1-2 Varianten für die nächsten 2-3 Züge.

Aufgabe für Novizen
(Stappen 1 / 1+) 

Weiss am Zug kann in zwei Zügen Matt setzen.
Zeige wie.

 

Trainingsblatt Turmendspiele

Hallo Juniors – hier ein Aufgabenblatt zum Thena Turmendspiele.

Aufgabe:

  • Analysiert die Stellung
  • Erarbeitet eine Strategie um zu gewinnen oder Remis zu halten
  • Notiert Euch die Züge

Wir besprechen die Stellungen in einem unsere nächsten Trainings

Trainigsblatt Elementare Bauernendspiele

Hallo Juniors – hier zwei Aufgabenblätter zum Thema Elementare Bauernendspiele.

Aufgabe:

  • Analysiert die Stellung
  • Erarbeitet eine Strategie um zu gewinnen oder Remis zu halten
  • Notiert Euch die Züge

Wir besprechen die Stellungen in einem unsere nächsten Trainings

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